Was bisher geschah...

02.03.2020

Bevor es losgeht habe ich noch eine Bitte an euch alle. Wie einige vielleicht wissen habe ich am 23.März Geburtstag und als Geschenk wünsche ich mir dieses Jahr etwas Unterstützung. Ich bin jeden Sonntag im städtischen Gefängnis von Ebolowa und die Umstände die dort herrschen, sind großteils unmenschlich. Es gibt keine medizinische Versorgung, den Leuten fehlt es an Essen und an Kleidung. Die Salesianer tun ihr Bestes aber wie so oft fehlt es an Geld.
Deshalb meine Bitte: Überweist eine kleine (oder auch große) Spende und helft den Menschen die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind. Ich habe lange überlegt wie ich das am Besten abwickle und bin gemeinsam mit Volontariat Bewegt zum Schluss gekommen, dass das Einfachste ist, das Geld auf das Konto meines Vaters zu überweisen, welcher mir dieses dann zukommen lassen wird. Das Geld übergebe ich dann an einen Projektverantwortlichen und es wurde mir zugesichert und versprochen, dass es nur für das Gefängnis verwendet wird. Dadurch, dass ich logischerweise keine eingeschriebene Spendenorganisation bin, muss ich auf euer Vertrauen zählen, dass ich das Geld nicht veruntreue, ich hoffe jedoch, dass niemand Zweifel daran hat.
Auch wenn es nur ein kleiner Betrag ist, jeder einzelne Euro zählt und hilft den Menschen im Gefängnis immens, ich und die Gefängnisinsassen freuen uns über jede Spende!
Bitte meldet euch bei mir wenn ihr spenden wollt, ich lasse euch dann Kontodaten und alle weiteren Informationen zukommen. Danke!

Eigentlich wollte ich diesen kleinen Rückblick schon nach 5 Monaten machen, also genau zur Hälfte meines Einsatzes. Kurz mal nicht aufgepasst, schon sind beinahe 6 ½ Monate vorbei und der Eintrag ist noch immer nicht verfasst. Diese Situation ist ein Sinnbild der letzten Zeit, welche ich hier im Projekt verbracht habe. Es ist viel zu tun, jeder Tag wartet mit neuen, spannenden Erfahrungen und demnach ist mir schon sehr lange nicht mehr langweilig gewesen. Und das ist ja auch gut so!

Besser spät als nie habe ich mir gedacht und versuche deswegen die bisherige Zeit in einen kleinen Blog zu quetschen und hoffentlich eine schöne und runde Zusammenfassung zu erstellen.

Beginnen wir ganz am Anfang. Am Flughafen in Wien. Großer Abschied und noch immer nicht ganz realisieren, wie lange man sich nicht sehen wird. Durch das Drehkreuz und hinein in die Welt. Zwischenstopp in Istanbul und danach weiter nach Yaounde (Hauptstadt). Mit dem Auto von dort nach Ebolowa. Um 5 Uhr in der Früh ankommen und aufgrund von Übermüdung und Ungewissheit kurz Panik bekommen. Sporadisch auspacken und dann ins Bett legen und ein bisschen schlafen.

Diese Szenen kommen mir mittlerweile fast schon etwas fremd vor, wie eine ganz weit entfernte Erinnerung. Einerseits vergeht die Zeit hier sehr schnell, immer wenn ich an den Abschied zurückdenke kommt es mir aber trotzdem schon sehr weit weg vor.

Die Anfangszeit war nicht ganz so rosig wie ich mir das vorgestellt habe. Ich bin mit der Einstellung gekommen, dass ich ein paar Wochen brauche um mich einzugewöhnen und dann vielleicht noch eine oder zwei um mein Französisch zu perfektionieren und dann wird alles easy laufen. Ganz so war es dann aber doch nicht (Wer hätte das nur erwarten können). Nach den ersten zwei Wochen sind die Internatsschüler gekommen und die Schule hat begonnen, das hat dann auch ein bisschen Alltag und Sicherheit gebracht, was mir sehr geholfen hat.

Ich muss auch gestehen, einige Sorgen wegen dem Unterrichten gehabt zu haben. Die vielen Wochenstunden und noch dazu auf einer fremden Sprache haben für mich anfangs sehr bedrohlich gewirkt. Ich konnte gottseidank auf sehr viel Unterstützung von meinen Kollegen zählen und somit wurden mir die ersten Wochen dann auch deutlich erleichtert. Von Mal zu Mal wurde es besser und ich wurde sicherer, sowohl im Unterrichten, als auch in der Sprache. Meine relativ kleine Klasse hat natürlich auch dazu beigetragen, dass ich mich bald richtig wohl in meiner Rolle gefühlt habe, beziehungsweise immer noch fühle. Ich freue mich mittlerweile sagen zu können, dass sich keine meiner anfänglichen Sorgen in irgendeiner Form bestätigt haben und das wöchentliche Unterrichten zu einer meiner liebsten Tätigkeiten gehört.

Im neuen Jahr habe ich auch im Jugendzentrum einige neue Projekte gestartet. Jeden Mittwoch und Samstag Nachmittag gebe ich, gemeinsam mit zwei Pränovizen (angehende Salesianer), Gitarre-Unterricht für interessierte Kinder und Jugendliche. Dieser Kurs macht mir sehr viel Spaß, da das Interesse richtig groß ist und die Schüler*innen mit ganz viel Spaß und Motivation dabei sind. Wir kommen schnell voran und werden auch sehr bald beginnen die ersten Lieder für ein kleines Gitarrenkonzert einzustudieren. Ich bin schon sehr gespannt!

Weiters bin ich gerade mit einem Lehrerkollegen dabei die interne Schulbibliothek wieder auf Vordermann zu bringen und dann eventuell zu bestimmten Zeiten für die Schüler*innen zu öffnen (und natürlich selbst auch ein bisschen auf Französisch zu lesen ;)).

Mit der Sprache geht es auch stetig besser, die Sprünge sind nicht mehr so groß wie am Anfang, trotzdem merkt man, wie es jeden Tag ein kleines Stückchen einfacher geht. Smalltalk, alltägliche Gespräche und Unterrichten geht mittlerweile ohne Probleme, sobald das Thema aber in die Tiefe geht (diverses Philosophieren beim Abendessen), bin ich so sehr damit beschäftigt alles zu verstehen, dass ich nicht mehr allzu viel rede. Im Vergleich zum Anfang ist es jedoch sehr beeindruckend was sich alles getan hat und wie schnell man eine Sprache lernt, wenn man täglich mit ihr konfrontiert ist.

Ehe man sich versieht kam dann auch Weihnachten und der Urlaub mit der Familie immer näher. Darüber habe ich jedoch schon genug geschrieben und werde deswegen direkt zur Zeit nach dem Urlaub springen.

Als das Auto mit Mama, Papa, Marie und Tiffany um die Ecke gebogen ist um Richtung Flughafen zu fahren und ich allein zurückblieb war der Abschiedsschmerz kurz sehr groß und ich habe mich fehl am Platz gefühlt. Der Abschiedsschmerz war jedoch sehr schnell überwunden, da ich gut wieder in den Projektalltag gefunden habe. Am nächsten Morgen ging es schon wieder los mit Arbeit, viel Zeit zum Grübeln blieb also glücklicherweise eh nicht.

Die letzte Zeit war bis oben hin voll mit verschieden Aktivitäten, von den vielen Festen habe ich ja bereits berichtet. Außerdem war ich, gemeinsam mit meiner Klasse auf einem Schulausflug in Douala, wo wir uns zwei Firmen angesehen haben. Insgesamt waren wir über 24h unterwegs, davon etwa 12h Fahrzeit (die hauptsächlich zum Schlafen benutzt wurde), 6h Besichtigung der Firmen und der Rest zum Essen und Besichtigen der Stadt. Es war sehr anstrengend aber auch ein wirklich cooles Abenteuer, welches meine Klasse und mich nochmal mehr zusammengeschweißt hat.

Die letzte Zeit ist beinahe verflogen, vermutlich auch aufgrund der vielen Ereignisse, welche die ganze Zeit stattfinden. Kein Tag ist wie der andere und überall warten neue Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen auf einen. Ich kann es kaum erwarten zu erfahren was noch passiert und freue mich schon auf die nächsten Monate.

Fotos: https://www.flickr.com/photos/186555666@N04/albums/72157713330407438

© 2019 Sebastian Suer
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