Ganz Afrika in einem Land - Urlaub Pt.1
Ich bin wieder im Alltag angekommen, seit Dienstag dieser Woche befinde ich mich von neuem in Ebolowa und gehe bereits, da ja auch das zweite Trimester bereits angefangen hat, meinen gewohnten Tätigkeiten wieder nach. Aber jetzt mal langsam, noch sind die Erinnerungen frisch und ich schwelge noch immer etwas in Urlaubsstimmung. Ich werde im Rahmen von 2 Einträgen die Weihnachtszeit, sowie auch den Urlaub durch (fast) ganz Kamerun Revue passieren lassen.
Begonnen hat alles am 23.Dezember, gemeinsam mit Charles, einem Mechaniker des Hauses und mittlerweile guten Freund fuhr ich am Vormittag Richtung Flughafen in Yaounde um meine Familie von dort aufzupicken und mitzunehmen. Das erste Wiedersehen war ziemlich überwältigend, ich habe mich wahnsinnig gefreut, konnte es aber auch nicht wirklich glauben, dass sie jetzt alle da sind. Außerdem war es sehr ungewohnt plötzlich meine Familie hier in Kamerun zu sehen, immerhin war das ja der Ort zu dem ich alleine, ohne mein vertrautes Umfeld, aufgebrochen bin. Die Autofahrt zurück nach Ebolowa wurde genutzt um zu plaudern und glücklich zu sein sich wiederzusehen. Erschöpft von der langen Reise und überwältigt von dem fremden, neuen und beeindruckenden Umfeld kamen wir müde an, ich half allen ihre Zimmer zu beziehen und gab ihnen etwas Zeit um auszuruhen.
Die nächsten Tage waren voll mit den verschiedensten Aktivitäten, zunächst zeigte ich natürlich das Projekt her, die Orte an denen ich arbeite, wo ich schlafe, wo ich esse und noch vieles mehr. Alle waren sehr gespannt und aufgeregt meine Familie endlich kennenzulernen, die Gesprächsthemen wurden die Wochen davor auch schon davon dominiert wann sie jetzt endlich kommen würden. Den 24. Dezember verbrachten wir, im Vergleich zu unseren üblichen Weihnachtsfesten, eher unüblich, am Vormittag gingen wir ins städtische Gefängnis, in dem wir eine große Festmesse feierten. Diese Messe war nicht wie die üblichen Sonntagsmessen, es waren einige hohe Besuche von Staat und Militär anwesend, außerdem wurde sie vom Bischof abgehalten, der Gefängnischor gab wie gewöhnlich alles und das ganze Fest war sehr emotional und schön. Um doch noch etwas Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen, sangen wir am Nachmittag noch Weihnachtslieder, machten eine kleine Bescherung und verbrachten den restlichen Tag gemütlich mit den mitgebrachten Vanillekipferln. Am folgenden Tag machten wir eine Runde durch Ebolowa und feierten anschließend im benachbarten Kloster der Soeurs mit einem riesigen Festmahl und ausreichend Getränken Weihnachten. Es wurde viel gesungen, getanzt, geklatscht und musiziert. Mit unserer Darbietung von "Es wird scho glei dumper", regten wir eine Darbietung von den jeweiligen Weihnachtsliedern aus der Heimat an, es wurden Lieder aus Polen, Kamerun, Tschad, dem Kongo und Ghana gesungen, die Stimmung war ausgelassen und glücklich. Außerdem noch erwähnenswert, beim "Balle des Enfants" (Fest für die Kinder) packte Marie dermaßen coole Dancemoves aus, dass sie gleich unzählig viele neue Freunde gefunden hat, ich war wirklich stolz.
Am folgenden Tag, dem 26. Dezember ging der Urlaub dann so richtig los, nach dem Mittagessen wurden wir netterweise von Père Artur zu unserer ersten Unterkunft gefahren. Diese lag in Ebogo, einer Touristeneinrichtung, welche besonderen Wert auf nachhaltigen Tourismus legt. Dort angekommen gönnten wir uns erstmal ein kühles Getränk und bei mir setzte auch langsam Entspannung ein, der Ausblick auf die nächste Zeit gab aber auch jeden Grund dazu. Gleich nach dem Beziehen unserer zwei Zimmer machten wir uns in Richtung Fluss auf, welcher direkt hinter unseren Hütten floss und einen angenehmen Geräuschhintergrund bot. Beim Fluss angekommen setzten wir uns in sogenannte "Piroges" (Boote, welche aus einem halben Baumstamm gefertigt werden) und starteten unsere Bootsfahrt. Wir fuhren den Fluss entlang und etwas später auch direkt in den Mangrovenwald hinein und konnten riesige Urwaldbäume bewundern. Im Vergleich zu Ebolowa war es wunderschön still und auch die Luft war so frisch und gut wie schon lange nicht mehr. Als die Sonne langsam unterging kamen wir wieder zurück, nahmen ein wohlschmeckendes Abendessen ein und kuschelten uns zufrieden in unsere mit einem Moskitonetz verhangenen Betten. Das Einschlafen begleiteten unzählige Frösche, Vögel und andere Tiere, welche ihre Rufe und Laute durch die dunkle Nacht ausstießen.
Am nächsten Tag erwartete uns der Affenpark in Mefou, dort kümmert sich eine britische NGO um verwaiste Affenkinder und wildert diese wieder aus, um die Organisation finanziell am Laufen zu halten, kann man diesen Park besuchen und mit etwas Glück auch einige Affen in ihren hektargroßen Gehegen, welche von wunderschönem Regenwald umgeben sind bewundern. Die Nacht verbrachten wir in einem Hotel in Yaounde, in welchem ich nach sehr langer Zeit mal wieder eine heiße Dusche nehmen konnte, ein wunderbares Gefühl.
Die nächsten Tage stand etwas Kultur auf dem Programm, wir besuchten zunächst die Chefferie Batoufam, bei der ein sehr schön gestaltetes Museum anschließt. Kurz zur Erklärung: Chefferien sind ehemalige kleine Fürstentümer in Westkamerun, an deren Spitze ein König steht. Es war sehr interessant auch mal etwas über die Geschichte von Kamerun und die verschiedenen Ethnien zu hören, immerhin gibt es davon etwa 250 Verschiedene. Danach fuhren wir zu unserer sehr beeindruckenden Unterkunft für die Nacht. Gesponsert von einer Stiftung aus Frankreich und ziemlich abseits von den großen Straßen wurde ein sehr schönes, authentisches Hotel gebaut, außerdem gehört zu dem ganzen Umfeld auch eine Tischlerei, ein Kulturzentrum, ein Waisenhaus und zu meiner größten Freude auch eine kleine Bibliothek. Schon lange habe ich nicht mehr so viele schöne Bücher gesehen und gemeinsam mit meiner Mama verbrachte ich einen ganzen Vormittag dort. Am liebsten wären wir noch länger geblieben, trotzdem ging es nach einem ausgedehnten Frühstück weiter in die Chefferie Bandjoun. Auch dort befand sich ein sehr nett hergerichtetes Museum und da wir die einzigen Besucher waren, konnte sich der Guide viel Zeit für uns nehmen und wir konnten ihn mit unseren Fragen bombardieren und viele Informationen mitnehmen.
Nach dem Museumsbesuch, waren wir bereits recht angefüllt mit neuen Informationen und Eindrücken und machten uns deshalb auf um unser nächstes Quartier zu beziehen. Dort sollten wir dann auch mal länger als eine Nacht bleiben und außerdem konnten wir uns auch mal etwas ausruhen. Davon erzähle ich aber im nächsten Eintrag mehr...
