Das Leben außerhalb des Projekts

11.11.2019

Bis jetzt haben wir unsere Zeit fast ausschließlich auf dem Projektgelände verbracht. Das ist eigentlich sehr angenehm, hier befindet sich schließlich alles was wir brauchen, wir schlafen hier, wir essen hier, wir arbeiten hier und wir treffen auch unsere Freunde und Bekannte im Projekt. Trotzdem hat man nach über zweieinhalb Monaten durchaus auch mal das Bedürfnis einen kleinen Tapetenwechsel vorzunehmen, außerdem ist das Projekt samt Leuten doch noch mal etwas anderes als die "richtige" Welt, wir leben hier in einem sehr gesicherten Umfeld, was zwar beruhigend ist, auf Dauer muss man dann aber auch einfach mal ein bisschen raus kommen und etwas unternehmen. Und genau das haben wir gemacht.

Ich möchte von zwei Ausflügen erzählen, welche wir vorletzten und letzten Samstag unternommen haben. Zunächst einmal zum ersten Ausflug. Einer unserer Kollegen im Jugendzentrum hat vor einem Monat ein Kind bekommen, ich habe oft mit ihm geredet und mir immer wieder Fotos zeigen lassen. Eines Tages hat er uns dann gefragt ob wir ihn, seine Freundin und das Kind besuchen kommen wollen. Gemeinsam mit Beni, einem Lehrerkollegen, haben wir uns dann ein Moto geschnappt und haben uns auf den Weg gemacht. Der gesamte "öffentliche" Verkehr in Kamerun wird über Motos geregelt. Denn dadurch, dass es keine Busse, Straßenbahnen oder ähnliches gibt, wird beinahe jeder Weg mit einem Motorrad-Taxi zurückgelegt. Um Geld zu sparen, kann es auch mal vorkommen, dass bis zu 4 Personen auf diesen kleinen Motorrädern sitzen. Angst darf man außerdem auch keine haben, Helme sind nämlich Mangelware und die Moto-Fahrer halten sich an ihre eigenen, ungeschriebenen Straßenregeln. Nichtsdestotrotz sind wir heil im "Village" von Simon angekommen und wurden schon freudig erwartet. Ich durfte das kleine Baby sehr lange halten und es wurde wirklich ein schöner, angenehmer Tag. Gerade als es im Bauch zu grummeln anfing, wurde uns freudig mitgeteilt, dass wir gerne zum Mittagessen bleiben können. Es gab Fisch in einer scharfen Sauce, Bratkartoffeln und als "Nachspeise" einen guten, süßen Wein. Wir sind noch lange beisammen gesessen und durch den Wein haben sich (gefühlt) auch die Sprachbarrieren, die bei tiefergehenden Gesprächen immer noch auftauchen, etwas abgebaut.

Der zweite Ausflug war ins "Centre touristique", welches circa eine halbe Stunde außerhalb von Ebolowa liegt. Eigentlich als das Dorf eines Ministers gegründet, wurde es vor einigen Jahren zu einem Zentrum für Tourismus umfunktioniert. (Der Minister hat seine Riesenwohnung aber immer noch dort, auf Nachfrage haben wir auch erfahren, dass das so üblich ist wenn man Minister ist). Ich werde jetzt nicht beginnen über die Politik von Kamerun zu reden, die Meisten von euch werden sich aber denken was ich davon halte. Dadurch, dass der Tourismus in Kamerun jedoch noch nicht so richtig angekommen ist, wird dieses Zentrum oft im Leerlauf betrieben. Es gibt einige schöne Attraktionen dort und wir haben eine nette kleine Tour gemacht. Von einer Fischerei, einem wunderschönen Ananasfeld, einem netten See mit künstlicher Insel in der Mitte bis zu alten, traditionellen Häusern. Ausklingen lassen haben wir das Ganze bei einem vorzüglichen Essen im Restaurant. Ein weiteres Highlight war das Schwimmbecken, welches wir benutzen durften während wir auf das Essen gewartet haben. Das Beste kommt aber noch, als wir gerade beim Ananasfeld waren, kam uns ein Farmer, bewaffnet mit einer Machete, entgegen und hat uns gefragt ob wir eine Ananas kaufen wollen. Wir stimmten sofort zu, überlegten uns aber auch schon wie wir sie dann am Geschicktesten aufschneiden sollen, wenn wir wieder zuhause sind. Der Mann stapfte also in sein Ananasfeld, pflückte uns ein besonders großes und schönes Exemplar und machte sich, noch ein großes Palmenblatt pflückend, auf den Rückweg. Mit einem sehr gekonnt aussehenden Schlag köpfte er die Ananas, schnitt sie in Scheiben, legte sie auf das Palmenblatt und überreichte sie uns. Im ersten Moment noch ganz baff, griffen wir bald darauf gierig zu und genossen die süße, fruchtige und von der Sonne noch ganz warme Ananas. Der Rückweg führte uns, wie auch schon der Hinweg, auf einer kleinen Straße umgeben von Regenwald, zurück nachhause und in diesem beeindruckenden Ambiente waren wir beide sehr glücklich und zufrieden. Die beiden Ausflüge waren sehr besonders und, um wieder auf die Einleitung zurückzukommen, auch notwendig um sein Umfeld mal zu ändern und einfach ein bisschen raus zu kommen. Zu den ganzen schönen Sachen, die wir jeden Tag im Projekt erleben dürfen, ist das nochmal eine sehr willkommene Draufgabe.

© 2019 Sebastian Suer
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